15 Juli 2017

Kein Sterbenswörtchen über den Schlagermove

Beim Wettbewerb um die widerlichste regelmäßige Großveranstaltung auf St. Pauli hält der Schlagermove (Archivfoto) seit Jahren konstant eine Spitzenposition unter den Top drei – ästhetisch, musikalisch, sonisch und generell zivilisatorisch. 

Umso großartiger, dass wir ihn dieses Jahr wegen eigener Abwesenheit verpassen, und zwar – vielleicht gibt es ja doch einen Gott – rein zufällig. 

Denn ohne dieses Event aus dem Terminkalender des Teufels überhaupt auf dem Schirm zu haben (das menschliche Gedächtnis versucht ja, die schlimmsten Erinnerungen am schnellsten abzulegen, und zwar im Unterbewusstein unter einem Rubrum namens „Trauma“), buchten wir im Januar arg- und sorglos eine Urlaubsreise. 

Diese startet ausgerechnet am heutigen Sonnabend – also genau an jenem Tag, an dem die im Verlauf der Veranstaltung zuverlässig zu unkontrollierbarer Inkontinenz tendierenden Hossahorden unseren Kiez heimzusuchen planen.

Deshalb habe ich diese Jahr nicht den winzigsten Grund, irgendetwas zu dieser Veranstaltung aus der Vorhölle zu sagen. Wir sind ja nicht da. Ich kann mich jeder Bemerkung enthalten. Kein Wort, nicht das kleinste, wird heuer hier stehen über Miniplimarodeure, Perückenpaviane und „Marmor, Stein und Eisen bricht“-Vomitierer.

Ich kann und werde den Schlagermove 2017 deshalb komplett so was von ignorieren. Er wird diesmal hier auf der Rückseite der Reeperbahn einfach totgeschwiegen.

Und wenn wir wiederkommen, in einer Woche, werden mit Sicherheit sogar die letzten breitflächigen Kotzlachen der vereinigten Helene-Fischer-Chöre längst derart eingetrocknet sein, dass sie uns höchstens noch optisch zu beleidigen vermögen, aber nicht mehr olfaktorisch.

Also wie gesagt: diesmal kein Sterbenswörtchen über den Schlagermove. Denn wir sind nicht da. Hossa!






Kommentare:

  1. Lieber Herr Wagner,
    was genau mögen Sie an Schlager nicht?
    Ist es nur dieser Event, der damit verbunden ist, dass mal wieder die Freipinkler, Kotzbrocken und sonstiges Gesindel sich rund um die Reeperbahn herumtreiben und überall ihren Müll und sonstigen Mist hinterlassen, oder gibt es da noch andere Gründe?
    Ich mag Schlager, höre sie aber selten, wie alles andere an Musik. Was ich nicht mag sind Massenveranstaltungen, da graut mir vor und deshalb meide ich sie.
    Wenn ich so nah an der Reeperbahn wohnen würde und Massenveranstaltungen geplant wären, dann ginge ich wahrscheinlich nicht auf die Straße oder würde einen riesigen Umweg machen, damit ich damit nicht in Berührung käme.
    Das Sie in Urlaub fahren finde ich gut, weg von dem ganzen Geplärre, ab in die weite Welt und Ruhe tanken.
    Liebe Grüße, Roswitha

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  2. Schlager mag ich in der Tat auch nicht, aber wenn diese Menschen sich zivilisiert verhalten würden, könnte ich das tolerieren. So bleibt nur die Flucht – auch wenn sie ungeplant war …

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